Weimar/Weimarer Land. (tlz) Was ihnen vorgeworfen wird, ist von schlechten Eltern: Körperverletzung, Bedrohung, Sachbeschädigung, Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Volksverhetzung sowie Nötigung. Häufig genug haben die zwölf jungen Menschen in der Vergangenheit Vietnamesen in Weimarer und im Weimarer Land angepöbelt, geschlagen und bedroht. Die mutmaßlichen Täter sind zwischen 14 und 21 Jahren alt und stammen aus dem südlichen Weimarer Land.
Nach dem Angriff auf einen Asia-Imbiss im Goethe-Kaufhaus am Montag wiederholte sich der Vorfall keine 24 Stunden später: Drei junge Männer und eine junge Frau im Alter von 14 bis 17 Jahren suchten am Dienstag Mittag zunächst den „Burger King“ in der Wielandstraße auf, um dann gegen den Imbiss-Mitarbeiter im Erdgeschoss des Goethekaufhauses zu pöbeln: Nach Angaben der Polizei beleidigten sie ihn, wobei einer der Jugendlichen den Hitlergruß zeigte. Zeugen alarmierten die Polizei, worauf das Quartett die Flucht ergriff.
Die Beamten konnten die Jugendlichen jedoch kurze Zeit später vorläufig festnehmen. Besonders erschreckend: Einer der jungen Männer sei bereits am Montag in den tätlichen Angriff gegen den Imbiss-Mitarbeiter verwickelt gewesen. Die Polizei veranlasste Blutentnahmen, verhörte die Beschuldigten, nahm Fingerabdrücke und setzte das Quartett dann auf freiem Fuß.
Seit April 2008 kam es in Bad Berka und Blankenhain zu mindestens 15 Straftaten, die einen politisch motivierten, rechtsextremen Hindergrund vermuten lassen. Die Kripo Weimar hat eine Gruppe von zwölf Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 14 bis 21 Jahren ermittelt. In den bisher erfolgten Vernehmungen seien die Beschuldigten größtenteils geständig gewesen.
So wurde unter anderem am 4. April 2008 eine jugendliche Reisegruppe aus dem Bereich Rudolstadt in Bad Berka tätlich angegriffen, nachdem es zuvor zu verbalen Auseinandersetzungen kam. In dieser Sache dauern die Ermittlungen noch an. Nur einen Tag später nahmen mehrere Personen dieser Gruppe an der NPD-Demonstration in Weimar teil und sollen im Anschluss daran in Bad Berka mehrere Körperverletzungen, sowie Nöti-gungen begangen und Menschen beleidigt haben. Der Vorfall damals wurde nicht von der Polizei bekannt gemacht, sondern von der Antifa im Weimarer Land. So hätten etwa neun Neonazis am Samstag drei alternative Jugendliche angepöbelt und mit Fußtritten und Faustschlägen attackiert. Später sei die Gruppe auf etwa 30 Neonazis aus dem Umfeld der Blankenhainer Kameradschaft angewachsen, teilte die Antifa damals mit.
In der Zeit von September bis November des vergangenen Jahres begingen verschiedene Täter aus der jugendlichen Gruppe politisch motivierte Sachbeschädigungen, vorwiegend im Stadtgebiet von Blankenhain. Neben den Hakenkreuzschmierereien durch die zwei ermittelten Haupttäter wurden auch Drohungen gegen die ortsansässigen Asia-Läden sowie deren vietnamesische Besitzer ausgesprochen. Die Gruppe sei bei den Straftaten nie geschlossen, sondern in unterschiedlicher Zusammensetzung aufgetreten. Bei ihren Ermittlungen arbeitete die Kripo mit der Jugendhilfe des Landratsamtes zusammen.
„Der Zusammenhang zwischen der rechtsextremen Partei mit ihren Strukturen, die sie schamlos für Hetze gegen alle Andersdenkenden oder Ausländer nutzt, und den rechten Schlägern ist hinlänglich bekannt. Wir fordern die Politik auf, das Verbot der NPD endlich anzugehen“, sagte gestern Uwe Adler vom Bürgerbündnis gegen Rechts.
Qelle: TLZ
05.03.2009